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Erfolgsgeschichten

„Lieber Unverpackt“ – nachhaltig gründen in Krefeld

Zuletzt aktualisiert: 26. Oktober 2020
Im November 2019 eröffnete Annett Schendel den einzigen verpackungsfreien Laden der Stadt am Niederrhein. Und freut sich seitdem über die Begeisterung der Krefelder für Umwelt, Nachhaltigkeit und plastikfreies Leben.

Hell und freundlich wirkt er, der erste Unverpackt-Laden Krefelds, der sich wie eine kleine Oase der Nachhaltigkeit am Karlsplatz hinter dem Kaiser-Wilhelm-Museum versteckt hat.

„Unverpackt einkaufen heißt entschleunigt einzukaufen. Die Kunden mahlen ihr Mehl bei uns selbst, füllen die lose Ware in eigens mitgebrachte Behältnisse ab und stellen mir viele Fragen zum plastikfreien und umweltfreundlichen Leben“, sagt Annett Schendel, die Gründerin des „Lieber Unverpackt“. Der Wunsch nach nachhaltigen Lebensmitteln, Drogerieartikeln und Kosmetika ohne unnötige Plastik- oder Umverpackung sei auch in Krefeld deutlich spürbar.

Als Annett Schendel das Geschäft im November 2019 in der Krefelder Innenstadt eröffnete, boomten die Lieblingsläden der Zero Waste-Bewegung. In Deutschland eröffnete ein Unverpackt-Geschäft nach dem anderen. Mittlerweile gibt es hierzulande rund 200 Stück. Das Konzept ist ebenso simpel wie genial: Um Verpackungsmüll einzusparen, bringen die Kunden ihre eigenen Behältnisse mit, in welche sie Nudeln, Waschmittel und Co. umweltfreundlich abfüllen. Im Laden wird ein Großteil der Lebensmittel in sogenannten Bulk Bins gelagert. Abfüllspendern, aus denen der Kunde sich die gewünschte Menge hygienisch selbst entnehmen kann. Und zwar nur so viel, wie er oder sie wirklich braucht.

 

startkrefeld - Erfolgsgeschichte aus Krefeld: Der Unverpackt-Laden

„Unsere Bestseller? Haferflocken und feste Shampoo Bits.“

Über 500 Produkte bietet Annett Schendel in ihrem Unverpackt-Laden feil. Von Lebensmitteln wie den Walnüssen vom Baum aus dem eigenen Garten in Kempen bis hin zur Bambus-Zahnbürste. Artikel des täglichen Bedarfs, wenn möglich aus der Region oder aus Deutschland und gerne Bio. Das Geschäft in Krefeld ist bereits der zweite Unverpackt-Laden der Gründerin. 2017 hatte sie ihren ersten Store in Geldern eröffnet, ist mit diesem jedoch nach Krefeld „umgezogen“. Die Nachfrage nach umweltfreundlichen Artikeln sei in einer Großstadt wie Krefeld einfach deutlich größer.

„Es war die beste Entscheidung, von Geldern nach Krefeld umzuziehen.“

„Nachhaltigkeit wird in Krefeld großgeschrieben. Es gibt hier so viele vegetarische und vegane Restaurants und auch das ‚Lieber Unverpackt‘ wird von den Krefeldern super angenommen. Hier kommen alle her: von jungen Menschen über Familien bis hin zu Älteren, bunt gemischt. Mittlerweile haben wir viele Stammkunden, nach denen wir die Uhr stellen können. Aber auch immer mehr Neukunden, die gerade erst auf plastikfrei umstellen und ganz viele Fragen zum Thema Nachhaltigkeit im Gepäck haben. Für die bin ich die Ansprechpartnerin Nummer eins und nehme mir gerne die Zeit, alle Fragen zu beantworten und den Kunden zu zeigen, wie sie die Ware abwiegen können und welche Gefäße sich am besten für den Transport eignen.“

 

startkrefeld - Erfolgsgeschichte aus Krefeld: Der Unverpackt-Laden

Leider blieb auch das „Lieber Unverpackt“ von der Corona-Krise nicht verschont. Als Geschäft für den täglichen Bedarf durfte der Laden zwar öffnen, die Kunden blieben jedoch zuhause, sodass Frau Schendel ihr Geschäft wären des Lockdowns nur noch an drei Tagen öffnete. Umsatzeinbußen von bis zu 50 Prozent bereiteten der Gründerin schlaflose Nächte.

„Trotz der Rückschläge würde ich immer wieder gründen.“

Seit den Lockerungen treibt es die Krefelder langsam wieder in die Innenstadt und auch zu Frau Schendel kommen wieder mehr Neukunden. Ein gutes Zeichen für die ehemalige Angestellte von Kaiser’s Tengelmann, die beschloss, sich selbstständig zu machen als die Supermarktkette vor dem Aus stand.

„Ich mochte die Arbeit im Einzelhandel immer sehr gerne. Und jetzt, als Besitzerin meines eigenen Ladens, genieße ich es, alles selbst machen zu können und zu erleben: vom Kontakt mit Kunden und Verkäufern über den Einkauf bis hin zur Warenpräsentation. Ich nehme nur in mein Sortiment auf, was mir auch gefällt und genieße es, autark Entscheidungen treffen zu können. Es ist das Gesamtpaket, das die Selbstständigkeit so besonders macht.“

Frau Schendel hat alleine gegründet und managt das „Lieber Unverpackt“ als Solopreneurin, aber: „Das Wichtigste ist meine Familie, die mich unterstützt. Mein Mann, ein gelernter Schreiner, hat alle Holzregale im Laden angefertigt, sodass die Abfüllspender exakt hineinpassen. Und bis vor Kurzem hat mich meine Tochter Johanna tatkräftig im Laden unterstützt, die nun jedoch eine Ausbildung beginnt.“

Mitarbeiter hat die Gründerin bis dato noch nicht eingestellt, sie hofft aber, dass sich dafür nach dem Ende der Corona-Zeit die finanziellen Möglichkeiten bieten. „Ich stehe jeden Tag von zehn bis 18 Uhr selbst im Laden, da wäre es schön, wenn ich über kurz oder lang eine Aushilfe einstellen könnte.“

startkrefeld - Erfolgsgeschichte aus Krefeld: Der Unverpackt-Laden

„Mein Rat für Gründer? Nehmt so viel Hilfe wie möglich in Anspruch.“

Annett Schendel ist ein Musterbeispiel dafür, wie reibungslos eine Existenzgründung laufen kann, wenn man die angebotenen Hilfen von Stadt, IHK und Wirtschaftsförderung in Anspruch nimmt und sich zudem viele Dinge selbst aneignet.

„Als Erstes habe ich ein Gründerseminar der IHK besucht und im Anschluss einen Kurs in Kiel bei der Gründerin des ersten deutschen Unverpackt-Ladens. Vor der Eröffnung meines ersten Ladengeschäftes in Geldern hatte ich viel Hilfe von der Stadt, die mich sogar bei der Logo-Entwicklung unterstützt hat. Es ist immer gut und hilfreich, wenn ein Gründerzentrum involviert ist. In Krefeld hat sich besonders die Suche nach einem Ladenlokal erfreulich unkompliziert gestaltet. Mein jetziges, 70 Quadratmeter großes Geschäft wurde zum Beispiel auf der Webseite ladenlokale-in-krefeld.de annonciert. Hervorragend war hier für mich die kurze Miet-Kündigungsfrist von nur drei Monaten. Nichts ist riskanter, als sich mit einem neu eröffneten Ladengeschäft an mehrjährige Mietverträge zu binden, was keine Seltenheit ist und wovon ich jedem Gründer dringend abraten würde.

Den Businessplan habe ich gemeinsam mit einer Freundin und anhand von Recherchen im Internet angefertigt. Das war wirklich anstrengend, aber wir haben es geschafft. Und ein guter Steuerberater ist auch Gold wert.“

Für die Finanzierung ihres Ladengeschäfts hat Annett Schendel ein Bank-Darlehen aufgenommen. „Schließlich musste ich allein für die speziellen Abfüllspender des Unverpackt-Ladens rund 10.000 Euro bezahlen.“ Werbekosten fallen derzeit keine an, außer auf Mund-zu-Mund-Propaganda setzt Annett Schendel auf die sozialen Netzwerke. Sie betreut die Facebook-Seite von „Lieber Unverpackt“, ihre Tochter den zugehörigen Instagram-Account für die jüngere Zero Waste-Community. „Ich könnte mir aber gut vorstellen, in Zukunft Flyer anfertigen zu lassen und kleine Kostproben aus dem ‚Lieber Unverpackt’ auf den Krefelder Wochenmärkten zu verteilen, um auf unseren Laden aufmerksam zu machen“, freut sich Annett Schendel zuversichtlich auf die Post-Corona-Zeit.

startkrefeld - Erfolgsgeschichte aus Krefeld: Außenansicht des Unverpackt-Ladens

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Adresse & Kontakt
Lieber Unverpackt

Karlsplatz 20

47798 Krefeld

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